Farben in der Bewerbung

Die Wirkung von Farben ist vielseitig. Farben können in der Bewerbung gezielt persönliche Stärken kommunizieren, Vorteile im sportlichen Wettkampf geben, oder sogar das andere Geschlecht anziehen.

So wie beim Sprechen der Ton die Musik macht, beeinflussen beim Schreiben der Bewerbung die Formen und Farben das Gesamtbild. Wie Bewerber sich das zunutze machen können, haben wir hier zum Thema Farben untersucht. Für den schnellen Start in die Bewerbung haben wir auch fertige Bewerbungsmuster und Vorlagen zum Download erstellt.

Farben haben vielseitige Wirkungen auf uns, die wir erst beginnen richtig zu verstehen. Dank neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse können wir Farben in bestimmten Situationen aber jetzt schon bewusst zu unserem Vorteil nutzen.

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Kurioses: Beim Dating hat die Farbe Rot einen ganz besonderen Effekt. Wenn Du ein rotes Kleidungsstück zu einem Rendezvous trägst, wirkst Du auf das andere Geschlecht attraktiver.

Wissenschaftlicher Hintergrund

Rot macht attraktiver

In einer bahnbrechenden Studie von A. Elliot und D. Niesta (2008), zeigten die Wissenschaftler Gruppen von männlichen Studenten Fotos von Studentinnen. Der einzige Unterschied in den Fotos war, dass die Farbe der T-Shirts und die Hintergrundfarbe mit einem Bildbearbeitungsprogramm auf jeweils blau, rot, grün und weiß verändert wurden.

Ergebnis der Studie: Frauen in roter Kleidung und vor rotem Hintergrund sind für Männer am attraktivsten. Darüber hinaus waren die Männer bereit, für die Frauen in Rot am meisten Geld in einem gemeinsamen Rendezvous auszugeben.

Die beiden Wissenschaftler haben außerdem in Zusammenarbeit mit T. Greitemeyer, S. Lichtenfeld, und R. Gramzow (2010) in sieben Experimenten bewiesen:

Auch Männer in Rot wirken auf Frauen attraktiver.

Weitere Studien bestätigen diese Ergebnisse (N. Guéguen, C. Jacob. 2012) und deuten darüber hinaus auf ein kulturübergreifendes Phänomen hin (A. Elliot, J. Tracy, A. Pazda, A. Beall. 2013).

Quellen: Elliot AJ, Niesta D. 2008. Romantic red: Red enhances men’s attraction to women. J. Personal. Soc. Psychol. 95:1150–64

Elliot AJ, Kayser DN, Greitemeyer T, Lichtenfeld S, Gramzow RH, et al. 2010. Red, rank, and romance in women viewing men. J. Exp. Psychol.: Gen. 139:399–417

Farbwirkung in der Bewerbung

Auch in der Bewerbung beeinflussen Farben unsere Wirkung auf den Arbeitgeber. Im Jahre 2012 wurden von L. Labrecque und G. Milne zwei wegweisende Studien durchgeführt. Dabei bewerteten 515 Studienteilnehmer, fiktive Logos von Marken in verschiedenen Farben nach 42 Persönlichkeitseigenschaften.

Ergebnis der Studie: Die Farbe eines Produkts bestimmt, welche Persönlichkeit wir ihr geben. Die Farbe Rot wirkt beispielsweise peppiger, aufregender und spannender als die ruhige, coole und kompetente Farbe Blau.

Außerdem wurde in einer weiteren Studie festgestellt, dass alleine durch den Tausch der Verpackungsfarbe eines Produkts, die Kaufentscheidung signifikant beeinflusst wird.

Genauso wie Unternehmen Farben gezielt in ihren Werbebotschaften nutzen, können Bewerber das auch. Unsere Bewerbung ist wie ein Werbeplakat, das unsere ganz persönlichen Fähigkeiten und Eigenschaften bewirbt.

Der Arbeitgeber wird von der Farbe unseres Lebenslaufs genauso beeinflusst, wie vom rot der Coladose im nächsten Supermarkt. Ähnlich wird auch unsere Persönlichkeit auch anders bewertet, je nachdem welche Farben wir in unserer Bewerbung verwenden.

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Tipp: Wähle Farben, die zu deinem Beruf und zur Kultur des beworbenen Unternehmens passen.

So präsentieren wir uns als geeigneter für die Stelle und haben daher bessere Chancen zum Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden.

Beispiele:

Zur Veranschaulichung sind im Folgenden die Logos von Coca-Cola und der Allianz AG dargestellt:

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aufregend, peppig, spannend

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ruhig, kompetent, verlässlich

Wirkung der Farbtöne

Nach den Ergebnissen der Studie, sind folgende Farben häufig mit diesen Eigenschaften assoziiert:

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Hinweis: Nicht alle oben genannte Farbtöne sollten auch im Lebenslauf verwendet werden. Denn auch in der Farbwahl gilt: Die Bewerbung sollte zwar positiv aus der Masse hervorscheinen, aber nicht zu stark von der Norm abweichen.

Die Farbe Rosa, sowie alle grellen Farben sind generell zu vermeiden. Die Farben gelb, grün und violett sind mit Vorsicht zu verwenden. Möchtest du sie benutzen, dann eher in Pastelltönen oder mit dunklem, unauffälligem Erscheinungsbild. Das kannst Du durch Anpassung der Helligkeit und des Sättigungsgrads erreichen.

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Tipp: Eine Bewerbung in den Unternehmensfarben kommt sehr häufig gut an.

Helligkeit und Sättigung

In einer weiteren Studie von L. Labrecque und G. Milne wurde festgestellt: Sättigungsgrad und Helligkeit beeinflussen auch die Wirkung der Farbe:

Diese Ergebnisse kann man nun kombinieren, um die gewünschte Wirkung im Lebenslauf zu erzielen. Bewirbt man sich beispielsweise auf eine Stellenanzeige als Rechnungsprüfer, wo Kompetenz und Verlässlichkeit besonders wichtige Eigenschaften sind, dann würde sich ein dunkler, satter Blauton empfehlen.

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Kurioses: Im Prüfungskontext, nach einer geschriebenen Klausur im Studium zum Beispiel, gibt der Dozent bessere Noten, wenn er keinen Rotstift zur Hand hat. Denn A. Rutchick, et. al. (2010) haben festgestellt, dass Lehrer beim Korrigieren mit einem blauen Stift, weniger Fehler finden und somit bessere Noten vergeben.

Die Farben deines Berufs

Je nach Beruf sind unterschiedliche Eigenschaften wichtig. Diese gewünschten Eigenschaften sollten die Farbwahl bestimmen. Hier eine Übersicht, welche Eigenschaften für welche Berufe wichtig sind:

Kompetenz (blau): Besonders wichtig für folgende Berufsgruppen:
forschende Berufe, konventionelle Berufe, praktisch orientierte Berufe, unternehmerische Berufe

Ehrlichkeit (weiß): Besonders wichtig für folgende Berufsgruppen:
sozial orientierten Berufe

Temperament (rot): Besonders wichtig für folgende Berufsgruppen:
kreative Berufe, unternehmerische Berufe

Attraktivität (schwarz): Besonders wichtig für folgende Berufsgruppen:
unternehmerische Berufe

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Kurioses: Im sportlichen Wettkampfverleiht das tragen der Farbe Rot einen Vorteil gegenüber Mitstreitern. Nach den Olympischen Spielen in Athen 2004 untersuchten R. Hill und R. Barton (2005) die Ausgänge der Paarungen von vier Sportarten. Ergebnis war, dass Sportler die zufällig rote Sportkleidung zugeteilt bekamen in 55% aller Begegnungen siegten, alle anderen nur in 45% der Fälle. Auch in den englischen top Fußballigen gewinnen Teams in Rot häufiger (Attrill, et. al. 2008). Es gibt noch weitere interkulturelle Studien, die den sogenannten „Red Effect“ bestätigen.

Allgemeines zur Farbwahl

1. Professionalität geht vor Ästhetik

Der Lebenslauf muss vor allem professionell und funktional wirken. Erreicht werden kann das, indem Farben in erster Linie zum Zwecke der gesteigerten Übersichtlichkeit und Lesbarkeit des Lebenslaufs verwendet werden. Überschriften, Trennlinien oder Text, der besonders hervorgehoben werden soll, können farblich gestaltet werden. Farbflächen, die nur wegen einer erhofften besseren optischen Wirkung eingefügt werden, sollten vermieden werden, da sie vom Inhalt ablenken. Effektiver Farbeinsatz unterstützt den Inhalt. Bei der Farbwahl kann der Bewerber sich frei nach den oben präsentierten wissenschaftlichen Erkenntnissen richten.

2. Schriftfarbe und Hintergrundfarbe

Die Farbe der Grundschrift sollte immer in Schwarz oder einem dunklen Grauton gehalten werden. Das erleichtert die Lesbarkeit, wirkt professionell und weicht nicht zu stark von der Norm ab. Die Hintergrundfarbe des Lebenslaufs, also die Seitenfarbe sollte immer Weiß gehalten werden. Nach einer aktuellen Studie werden Bewerber mit einem Lebenslauf auf farbigem Papier weniger wahrscheinlich zum Jobinterview eingeladen (Arnulf, Tegner, Larssen. 2010).

3. Im Zweifel blau

Die Farbe Blau ist nicht nur die Lieblingsfarbe der Deutschen, sondern besonders im gesamten westlichen Kulturkreis sehr beliebt (Heller, 2000). Auch die positiven Eigenschaften, die mit der Farbe Blau verbunden werden, wie Zuverlässigkeit, Fleiß und Selbstsicherheit, sind grundlegende Charakterzüge, die jeder Arbeitgeber gerne sieht.

4. Anzahl der Farben

Solange die Bewerbung durch den Farbeinsatz nicht zu bunt oder unübersichtlich wirkt, ist man im grünen Bereich. Meistens ist das bei maximal drei Farben (inklusive der Farbe der Grundschrift) gewährleistet. Bei Einsatz von mehr als einer Farbe sollten die Farben harmonisch aufeinander abgestimmt sein.

Es ist wichtig, dass die Farben im Einklang stehen mit dem gesamten Design der Bewerbung.

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Tipp: Eine optimale Wirkung wird dann erzielt, wenn die Farben mit anderen Design-Elementen in der Bewerbung harmonieren, wie Schriftarten, Aufbau und Weißraum.

Quellen:

Labrecque, L.I., Milne, G.R. (2012). Exciting red and competent blue: the importance of color in marketing. Journal of Academy of Marketing Science, 40 (5), p. 711–727.

Aaker, Jennifer (1997), ‘‘Dimensions of Brand Personality,’’Journal of Marketing Research, 34 (August), 347–357.

Wallner, G., Süss, D. & Bircher, M. (2006). Die Markenpersönlichkeit als psychologischer Faktor der Markenwirkung. Zürich: Hochschule für Angewandte Psychologie und By Heart Werbeagentur AG.

Denn A. Rutchick, M. Slepian und B. Ferris (2010). The pen is mightier than the word: Object priming of evaluative standards

Hill RA, Barton RA. 2005a. Red enhances human performance in contests.

Attrill MJ, Gresty KA, Hill RA, Barton RA. 2008. Red shirt colour is associated with long-term success in English football.

Ilie A, Ioan S, Zagrean L, Moldovan M. 2008. Better to be red than blue in virtual competition.

LM Scott, P Vargas. 2007. Writing with pictures: toward a unifying theory of consumer response to images

Jan Ketil Arnulf , Lisa Tegner & Øyunn Larssen (2010) Impression making by résumé layout: Its impact on the probability of being shortlisted, European Journal of Work and Organizational Psychology, 19:2, 221-230, DOI: 10.1080/13594320902903613

Elliot, A.J. & Maier, M.A. (2014). Color Psychology: Effects of Perceiving Color on Psychological Functioning in Humans. The Annual Preview of Psychology, 65.

Elliot AJ, Tracy JL, Pazda AD, Beall AT. Red enhances women’s attractiveness to men: First evidence suggesting universality. J Exp Soc Psychol 2013;49:165–168.

Guéguen N, Jacob C. Color and cyber-attractiveness: Red enhances men’s attraction to women’s internet personal ads. Color Res Appl 2012;doi: 10.1002/col.21718.

Heller, Eva (2000): Wie Farben auf Gefühl und Verstand wirken: Farbpsychologie, Farbsymbolik, Lieblingsfarben, Farbgestaltung, München: Droemer.